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Gesundheitsministerium: Kein ungebremster Masern-Ausbruch

Masern treten in Deutschland nur noch selten auf. Allerdings gibt es weiterhin Impf-Lücken auch in NRW.

Impfung - Masern Friso Gentsch/dpa

Düsseldorf (dpa/lnw) - Trotz zweier Infektionsketten in Köln und im Hochsauerland gehen die Gesundheitsbehörden derzeit nicht von einer größeren Zirkulation von Masern in Nordrhein-Westfalen aus. Seit Jahresbeginn seien insgesamt 26 Masern-Fälle in NRW gemeldet worden, berichtete das NRW-Gesundheitsministerium in einer am Mittwoch veröffentlichten Antwort auf eine FDP-Anfrage. Mit 17 Erkrankungen waren demnach in den meisten Fällen Familienverbände oder andere eng zusammenlebende Personengruppen im Hochsauerland (9) und in Köln (8) betroffen, die nicht ausreichend gegen Masern immunisiert waren.

Nach aktuellem Stand gehe das Landesgesundheitszentrum davon aus, dass die Infektionskette im Hochsauerland bereits unterbrochen sei, heißt es in der Antwort. In Köln seien ebenfalls über zwei Wochen keine weiteren Fälle mehr gemeldet worden, dort werde aber weiter beobachtet, bis der Erreger typisiert sei. Die Quelle des Masern-Eintrags liege bei den Kölner Fällen im Ausland, im Hochsauerland habe sie nicht eindeutig ermittelt werden können.

«In Deutschland treten die Masern aufgrund der hohen Impfquoten vergleichsweise selten auf», bilanzierte das NRW-Gesundheitsministerium. Vor allem während der Corona-Pandemie habe es kaum Masern-Ausbrüche gegeben: Im Jahr 2020 seien in NRW 20 Fälle übermittelt worden, 2021 sogar nur ein Fall und 2022 zwei Erkrankungen. Im vergangenen Jahr kletterte die Zahl dann wieder auf 15 - demgegenüber waren 2018 allerdings noch 211 Masern-Fälle in NRW gemeldet worden und 2019 insgesamt 136 Ausbrüche.

Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten habe jüngst von einem weltweit erheblichen Anstieg der Masernfälle im Jahr 2023 berichtet, hieß es in der Antwort. «Es wird erwartet, dass die Zahl der Masern-Fälle in Europa in den kommenden Monaten weiter ansteigen wird, da die Impfquoten nicht überall optimal sind.»

Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten. Seit März 2020 gilt bundesweit eine Impfpflicht. Das Masernschutzgesetz sieht vor, dass alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr vor Beginn des Besuchs von Kindergarten oder Schule die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Masern-Impfungen vorweisen müssen.

Eine flächendeckende Überprüfung durch die Gesundheitsämter in Kitas und Schulen sehe das Infektionsschutzgesetz allerdings nicht vor, stellte das Düsseldorfer Ministerium fest. Bei der Schuleingangsuntersuchung werde aber der Impfausweis überprüft.

Nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) ist unter ihren Versicherten in NRW die Impf-Quote bei Kleinkindern sehr hoch. Eine aktuelle Auswertung zeige, dass nur knapp vier Prozent der im Jahr 2020 geborenen und bei der TK in NRW versicherten Kinder in ihren ersten beiden Lebensjahren nicht vollständig gegen Masern geimpft worden seien, berichtete ein Sprecher der größten gesetzlichen Krankenkasse Deutschlands. Rund 86 Prozent seien mit zwei Teilimpfungen vollständig immunisiert worden, eine Teilimpfung bekamen demnach rund 10 Prozent. Seit 2017 sei die Quote der in den ersten beiden Lebensjahren komplett ungeimpften Kinder von damals 5,2 Prozent kontinuierlich gesunken.

Symptome der Infektionskrankheit sind etwa Fieber, Bindehautentzündung und der typische Hautausschlag. Als Komplikationen können Mittelohr- und Lungenentzündungen, sehr selten eine Gehirnentzündung auftreten. Eine Infektion schwächt häufig für längere Zeit das Immunsystem. Wer einmal Masern hatte, ist immun.

© dpa-infocom, dpa:240403-99-548010/4

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