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Mevlüde-Genç-Medaille für Holocaust-Überlebende Friedländer

Zwei Frauen, zwei Zeitzeuginnen und gleichzeitig Betroffene rechtsextremistischer Verbrechen: Margot Friedländer und Mevlüde Genç haben in ganz unterschiedlichen Zeiten und Kontexten Schlimmes erlebt.

Mevlüde-Genç-Medaille für Holocaust-Zeitzeugin Margot Friedländer Christoph Soeder/dpa

Düsseldorf (dpa) - Die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer wird in diesem Jahr mit der Mevlüde-Genç-Medaille des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) werde die 102-jährige Zeitzeugin am 4. Juni im Bode-Museum in Berlin für ihre besonderen Verdienste im Kampf gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus ehren, teilte die Düsseldorfer Staatskanzlei am Donnerstag mit.

Seit ihrer dauerhaften Rückkehr nach Deutschland im Jahr 2010 habe Friedländer auf vielfältige Weise und mit großem Engagement an die Verbrechen des Nationalsozialismus erinnert. Viele ihrer Vorträge und Lesungen richteten sich gezielt an Jugendliche und Schülergruppen.

«Margot Friedländer hat die Arbeit gegen das Vergessen zu ihrem Herzensanliegen gemacht - aus entsetzlicher eigener Erfahrung in der Zeit des Nationalsozialismus», würdigte Wüst das Engagement der gebürtigen Berlinerin. «Unermüdlich nimmt sie es auf sich, von den Schrecken der Vergangenheit zu erzählen und so dazu beizutragen, dass das, was passiert ist, nie wieder passieren kann.»

Sie spreche für die Menschen, die nicht mehr sprechen können, lobte Wüst. Als unerschütterliche Kämpferin gegen Hass und Ausgrenzung habe sie viele Herzen und Köpfe erreicht - insbesondere junger Menschen. «Sie ist ein Vorbild für uns alle, sie lehrt uns wie keine Zweite die Kraft aufzubringen für Vergebung, Hoffnung und Toleranz.»

Damit setze sie sich für genau die Werte ein, für die auch Mevlüde Genç gestanden habe: Toleranz und Versöhnung zwischen den Kulturen sowie ein friedliches Miteinander der Religionen. Die Mevlüde-Genç-Medaille wird seit 2018 an Einzelpersönlichkeiten oder Gruppen verliehen, die ebenfalls dafür einstehen.

Die Auszeichnung soll mahnend an den Brandanschlag von Solingen am 29. Mai 1993 erinnern. In der Nacht hatten Jugendliche Brandsätze in das Haus der Familie Genç geworfen. Das Ehepaar Genç verlor damals zwei Töchter, zwei Enkelkinder und eine Nichte. 17 Familienmitglieder wurden zum Teil sehr schwer verletzt und leiden noch heute an den Folgen. Der Anschlag mit rechtsextremem Hintergrund markierte damals den Tiefpunkt einer Serie rassistischer Anschläge auf Menschen ausländischer Herkunft in Deutschland.

Margot Friedländer war 1944 ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert worden. Nach der Befreiung wanderte sie 1946 nach New York aus. 2010 ließ sie sich dauerhaft in einem Seniorenheim in Berlin nieder und wurde wieder eingebürgert. Seitdem engagiert sie sich als Überlebende und Zeitzeugin des Holocaust in der Erinnerungsarbeit, mit Lesungen, Vorträgen und vor allem bei Besuchen an Schulen. Für ihre Arbeit gegen das Vergessen ist sie bereits mehrfach ausgezeichnet worden.

© dpa-infocom, dpa:240516-99-54443/2

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